“Von jedem sollte etwas übrig bleiben”
Christa Fischer und Rolf Lautner wollen mit besonderen Büchern das Leben festhalten
Von Verena Mayer
5. Januar 2005
DITZINGEN. Es gibt bessern Stoff für ein Buch als das, was diverse Promis zwischen zwei Deckeln verzapfen, finden Christa Fischer und Rolf Lautner. Sie wollen Geschichten schreiben und drucken, die man sonst selten liest.
Christa Fischer kann es nicht verstehen. “Warum” fragt sie, “muss es von dem blöden Bohlen so viel Auflage geben und vom eigenen Schicksal bleibt nichts übrig?” Hätte Christa Fischer eine Antwort auf diese Frage, hätte sie wahrscheinlich keine so schöne idee gehabt; die Idee, erzählenswerte Geschichten festzuhalten.
Die Geschichte von der großen Liebe zum Beispiel - aufgeschrieben für den Gatten oder die Gattin. Oder die vom eigenen Leben - aufgeschrieben für die Kinder oder Enkel. Die Geschichte vom schönsten Tag im Leben, die von der längsten, letzten oder der schönsten Reise, die von der Gründung der eigenen Firma oder oder oder. Christa Fischer hat viele Ideen für Geschichten und seit kurzem auch einen Verlag, in dem diese gedruckt werden können, auch wenn von dem Buch nur ein einziges Exemplar erscheinen soll. “Von jedem sollte eigentlich so ein bisschen was übrig bleiben”, sagt die 50-Jährige. Es sei doch schade, dass alles so verschwinde. Kaum jemand kenne ja noch die Lebensgeschichte der Großeltern.
Selbst schreiben müssen die Großeltern oder andere Geschichten-Festhalter bei Christa Fischer und ihrem Kompagnon Rolf Lautner nicht - zumindest nicht, wenn sie das nicht wollen. Das erledigt Christa Fischer. Sie interviewt die Autoren bezie-hungsweise Nicht-Autoren, lässt sich die wichtigsten Daten und Ereignisse der jeweiligen Erzähler geben und schreibt dann die Geschichte nieder. Wenn man die unerfahrenen Erzähler mit Fragen durch ihr Leben führe, verlören sie Hemmungen weiß Christa Fischer.
Die 50-Jährige hat Erfahrung mit Lebensgeschichten. an der Gerlinger Volks-hochschule leitet sie zurzeit die “Schreibwerkstatt Lebensgeschichte” und für Freunde hat sie des Öfteren den Ghostwriter gegeben. Allerdings sahen die selbst gestalteten Bändchen nicht so richtig schön aus, und so führte Chrita Fischers Weg irgendwann zu Rolf Lautner in Ditzingen mit seinem Druckservice. Eigentlich hatte er nur die bereits fertige Ortsgeschichte von Ziegelroda - Fischers Heimat in Sachsen-Anhalt - drucken sollen. doch dann hat den Layout-Experten der Ehrgeiz gepackt, und er und Christa Fischer habe die gesamte Ortsgeschichte noch einmal durch-gearbeitet. So wurde aus einem sachlichen Geschäftskontakt eine “gute Ost-West-Beziehung” und schließlich eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts: der FischerLautner-Verlag.
Der wievielte Beruf dies für Christa Fischer ist, ist schwieirig zu sagen. Eigentlich ist sie promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin, aber auch eine im Sozialismus ausgebildete Betriebswirtin ist heute nicht mehr sonderlich gefragt. Außerdem hat sie Literatur studiert und mehrere Bücher geschrieben, aber ein Bestseller war noch nicht darunter. Vor sechs Jahren zog Christa Fischer der Liebe wegen nach Ger-lingen und hat seither “viele interessante Sachen gemacht”. Chinesen Sprachunterricht gegeben und Reden für bekannte Menschen geschrieben; Auseinandersetzungen zwischen Institutionen geschlichtet und in Markgröningen das Agenda-Büro geleitet; an einer Privatschule Deutsch unterrichtet und Lebensgeschichten auf Honorarbasis geschrieben. Letzteres wird nun forciert.
Die Leute sollen nachdenklich werden”, sagt Christa Fischer. “Das Leben ist wahrlich mehr als nur: wir haben ein Auto gekauft und sind in Urlaub gefahren.”


